Buschball-Geschichte

Die 70er Jahre - die Geburtsstunde und das "Ballodrome"

Buschball wurde Ende der 70er Jahre in Essen mitten im Ruhrgebiet erfunden. Andreas Oligmüller spielte mit einigen Freunden damals den Ball den steilen Hang hinter seinem Haus hinauf. Anschließend musste der Ball über einen Zaun in eine große Mülltonne hinein gekickt werden. Dieser Ur-Ground wurde von den Urvätern des Buschballs "Ballodrome" genannt und genießt bis heute den Ruf als schwierigster Ground der Welt, obwohl dort seit der Wiedergeburt des Buschballs (s.u.) noch kein einziges Spiel absolviert wurde.

Bei den Turnieren war der Ball keinesfalls aufgepumpt, er durfte ausdrücklich sogar gar keine Luft enthalten. Ebenso wenig gab es ein Limit für die Kicks: es wurden bis zum Treffen des Mülleimers alle Kicks addiert. Dabei konnten gelegentlich hohe zweistellige Kickzahlen zustande kommen. Letztendlich wurde auch immer wieder die gleiche Bahn gespielt - die Ergebnisse waren somit vergleichbar. Bemerkenswert: Einige Stellen dieser Bahn bekamen damals eigene Namen. So wurde die Stelle, an der sich häufig die Geister schieden, "Pulvermanns Grab" bezeichnet.

Dass schon Ende der 70er Buschball gespielt wurde, darin sind sich die Urväter des Buschballs einig. Diese Tatsache ist dem Beweise heute leider nicht mehr zugänglich. Einige Zeitungen, die über Buschball berichteten, datieren das Geburtsjahr des Buschballs auf das Jahr 1977. Diese Jahreszahl wurde jedoch von den Medien in die von uns getätigte Aussage "Ende der 70er" hineininterpretiert.

Die 80er Jahre - die erste Weltmeisterschaft und der zweite Mai

Da das genaue Datum des ersten Buschballspieles nicht mehr genau nachgewiesen werden kann, wird heute der Buschball-Geburtstag am 2. Mai gefeiert. Der Grund dafür ist ein kürzlich aufgetauchtes Dokument, welches über 20 Jahre in einem Umzugskarton auf einem Dachboden geschlummert hat und uns nun vorliegt. In diesem Dokument werden die Anfänge der Sportart genauestens protokolliert. Schreibmaschinengetippt findet dort der 2. Mai 1980 genau mit einem Satz Erwähnung: Heute vor 30 Jahren wurde Buschball bei einem Wochenend-Ausflug in Repe (Sauerland) das erste Mal urkundlich erwähnt.

Während dieses Urlaubs wurde - wie schon oft in der Presse berichtet - unter anderem auf "Verkehrsregelungshilfen" und Bäume geschossen, die sich je nach Schwierigkeitsgrad auch mal hinter Büschen und Bäumen befanden. Repe war dabei nicht der einzige, sondern lediglich der erste in einer Reihe von Urlauben, in denen regelmäßig Buschball gespielt wurde.

In dem erwähnten Dokument, welches Anfang der 90er von einem der Urväter getippt wurde, finden sich zudem die Ergebnisse der ersten Weltmeisterschaften 1985, 1986, 1988, 1991 und 1992.

Wie das Ganze damals ausgesehen haben könnte, zeigen folgende Bilder, die in einem Urlaub Ende der 80er aufgenommen wurden. Der Dresscode, der damals beim Spielen zwingend notwendig war, sollte als Beweis genügen, dass es sich um Originalbilder aus den 80ern handelt. Zu sehen sind im übrigen die Urväter des Buschballs (vorne Andreas Oligmüller) bei der Diskussion über die Frage: "Vielleicht doch lieber nochmal vorlegen?" Letztendlich wurde sich dann für den Direktversuch per Lupfer entschieden. Bemerkenswert: Die Haltungsnote beim Lupfer - heutzutage Dreh- und Angelpunkt in vielen Buschballspielen.

Die 90er Jahre - der Buschballverband und der Winterschlaf

Während in den 80er Jahren die ersten drei Weltmeisterschaften von lediglich zwei Teilnehmern besucht wurden, wurde das Teilnehmerfeld Anfang der 90er verdoppelt. Einige Freunde wurden auf Buschball aufmerksam. Erstmalig verbreitete sich der Buschballvirus und das enorme Potenzial der jungen Sportart wurde deutlich. Da Meisterschaften mit einer derart großen Anzahl an Spielern nicht mehr koordiniert werden konnten, wurde der Internationale Buschball Verband (IBV) ins Leben gerufen. Das Protokoll einer Tagung des IBV liefert erstaunliche Fakten: Die damalige Weltrangliste wurde abgeschafft, die Spieleranzahl wurde auf vier begrenzt und erstmals musste der Ball ausrollen.

Die Dokumente zur WM 1992 zeigen: Damals gingen die Weltmeisterschaften über mehrere Tage und 1992 sollten die Gewinner schon einen Pokal bekommen. Fraglich ist, ob ein solcher Weltmeisterpokal jemals existierte. Diese Frage konnte bis heute nicht geklärt werden. Dass das Ballodrome der schwerste Ground der Welt ist, wird indirekt bewiesen. Die bloße Erwähnung einer "4" mit sechs Ausrufezeichen im ersten Streckenabschnitt zeigt: Eine Pole-in-One ist hier unmöglich.

Ein ehrgeiziger Turnierplan für die frühen 90er wurde aufgestellt. Ob er jemals eingehalten wurde, ist nicht bekannt. Fakt ist jedoch, dass die folgenden Dokumente die letzten sind, die die Urvariante des Buschballs protokollieren. Durch Verschiebung der Interessen und durch Wohnortwechsel bedingt fiel Buschball in einen langen Winterschlaf.

2007 - die Wiedergeburt des Buschballs

Die erste Pole

Die Buschball-Neuzeit wurde Ende 2007 eingeläutet. Schon oft hatte Andreas Oligmüller, Urvater und Namensgeber der Sportart, Johannes Schmitt von Buschball erzählt. Von der Idee begeistert berichtete dieser Martin Sowa davon. Nach einer Proberunde machten die beiden sich daran, das Spielkonzept zu modernisieren. Aufgrund des Gefahrenpotentials der Kombination Verkehrsschilder/Fußbälle entschieden sie sich, ein mobiles Ziel zu entwickeln. Sie konstruierten die Fahnenstange, genannt "Pole" (aus dem Englischen für "die Stange"). Die erste Pole schenkte schließlich Martin Sowa Johannes Schmitt zum Geburtstag.

Drei Tage später ging es los: Am 30. Dezember 2007 wurde das erste Spiel der modernen Buschballgeschichte mit den aktuellen Regeln gespielt. Der Funfaktor war damals schon deutlich erkennbar. Doch es folgte das, was sich in der Buschballgeschichte hoffentlich letztmalig wiederholte: Ein Winterschlaf.

2008 - die Regeln und der Verein

Fünf Monate nach dem ersten Spiel trafen sich Martin Sowa und seine Freunde erneut, um den Ball gegen die Fahne zu befördern. Bei schönem Wetter fiel es wesentlich leichter, sich für die neue Sportart zu begeistern. Nach den Erfahrungen aus dem ersten Spiel verfassten sie fünf Monate lang ein umfassendes Regelwerk, um das Spielkonzept in eine stabile Form zu gießen. Im Laufe des ersten Jahres wurde dieses durch einige Korrekturen perfektioniert. Ebenfalls wurde nach einigen Monaten unorganisierten Spielbetriebs schnell klar: Wir wollen den Buschball-Sport nicht nur in unserem Freundeskreis verbreiten. Logo des BBV RheinhausenDer erste Schritt dazu war die Gründung des 1. Buschballverein Rheinhausen 08 am 28. Juni 2008.

Elf Gründungsmitglieder beteiligten sich an dem feierlichen Ritual mit Bratwurst und Bier. Erster Vorsitzender wurde Sascha Fritsche, zum Stellvertreter wurde Johannes Schmitt ernannt. Als erster Buschballverein der Geschichte stellt der BBV heute das erfahrenste Buschball-Teilnehmerfeld bei nahezu allen großen Turnieren. Sowohl Andreas Oligmüller, als auch Martin Sowa und Johannes Schmitt haben sich dem Verein angeschlossen.

2009 - die Profi-Pole und die neue Buschball-Hauptstadt

Zweimal war es 2008 vorgekommen, dass bei den insgesamt knapp 40 Buschball-Partien die Fahne zerbrach. Der damals verwendete Besenstiel hielt den Belastungen des immer professioneller werdenden Buschballsportes nicht stand. Daher wurde ein Partner gesucht, der schnell gefunden wurde. Mit b+d - allzweck - Sportartikel wurde der Ausrüster aller Fußball Welt- und Europameisterschaften gewonnen, der seit Anfang 2009 Buschball-Equipment in herausragender Qualität produziert. Die Fahne leuchtet seitdem in den Farben Neongelb und Neonorange und kann so bestens im tiefsten Dickicht anvisiert werden. Kleiner Nebeneffekt: In Handarbeit müssen von uns nicht hunderte Besenstiele bemalt werden.

In Köln wurden 2009 die Weichen für eine rosige Buschballzukunft gestellt. Hunderte von Buschball-Partien wurden in der Karnevalshochburg ausgetragen, was hauptsächlich auf die Verbreitung unter den Studenten der Deutschen Sporthochschule in Köln zurückzuführen ist. Zwei weitere Vereine gründeten sich aus diesem Spielerkreis: Der 1. BC Cologne 09 direkt in Köln, der 1. Hamburg Poppenbütteler Buschball Club e.V. in der Hansestadt.

Mit knapp 200 Spielern und über 400 Partien in 2009 ist Buschball zwar noch nicht angekommen, wo es hingehört. Aber ein erster Schritt ist getan.

To be continued...